Einblicke in die Bürger*innenbeteiligungen der Manifesta 16 Ruhr

03.06.2025
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Im Rahmen des Vorbereitungsprozesses der Biennale organisiert die Manifesta eine Reihe von Workshops, in denen lokale Bewohner*innen eingeladen sind, ihre Erfahrungen und ihre Visionen für ihre Nachbarschaften zu teilen. Da die Manifesta von einer Gastgeber-Stadt oder -Region eingeladen wird, ist der lokale Input ein zentraler Bestandteil der Entwicklung des Biennale-Programms. Dieser gemeinschaftsorientierte Ansatz soll sicherstellen, dass die Manifesta 16 Ruhr die Bedürfnisse und Vorstellungen der Menschen widerspiegelt, die heute im Ruhrgebiet leben und arbeiten. Die im April und Mai in Gelsenkirchen, Essen, Duisburg und Bochum durchgeführten Sessions konzentrierten sich auf die Rolle und Wahrnehmung kultureller und sozialer Aktivitäten in und um ehemalige Kirchengebäude.

Die Vielzahl an Meinungen, die während der Workshops geäußert wurden, verdeutlicht, dass es keine einheitliche Erzählung gibt, die das Ruhrgebiet abbildet. Dennoch traten einige wiederkehrende Themen in verschiedenen Städten und Gemeinschaften zutage.

Die Teilnehmer*innen äußerten ganz unterschiedliche Vorstellungen zur Nutzung ehemaliger Kirchengebäude. Während einige die Ruhe und die Privatsphäre in ihren Vierteln und Nachbarschaften schätzen, stellten sich andere dynamischere Umnutzungen vor – von Indoor-Spielplätzen und botanischen Gärten bis hin zu Kultur- und Kreativzentren und sozialen Einrichtungen. Viele sahen das Potenzial darin, die Gebäude multifunktional zu gestalten – entsprechend der Vielfalt an Bedürfnissen, lokalen Realitäten und Nutzungsmöglichkeiten innerhalb einer Gemeinschaft. Auch darüber, ob Kirchen öffentliche Orte bleiben oder in private Räume wie Wohnungen oder Hotels umgewandelt werden sollten, wurde intensiv diskutiert.

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Angst vor dem Abriss

Viele Kirchengebäude im Ruhrgebiet sind von Schließung und Abriss bedroht. Zahlreiche Workshop-Teilnehmer*innen äußerten die Sorge um den Verlust dieser repräsentativen, architektonischen Wahrzeichen und ihrer sozialen Funktion. Für viele wäre das schlimmste Szenario, wenn die Kirchen leer stehen, verfallen oder abgerissen würden. Ein breiter Konsens bestand also darin, dass diese verlassenen Gebäude sinnvoll genutzt und umgewidmet werden sollten.

Wunsch nach langfristiger Wirkung

Im Hinblick auf die Austragung der Manifesta im Ruhrgebiet wurde vielfach die Hoffnung geäußert, dass die Biennale kein flüchtiges Kulturevent sein würde, welches „in die Region hineinkatapultiert“ wird und ebenso schnell wieder verschwindet – ohne nachhaltige Spuren zu hinterlassen. Stattdessen wünschten sich die Teilnehmer*innen einen langfristigen Wandel und damit eine Investition in das kulturelle und soziale Gefüge des Ruhrgebiets.

Vielleicht die eindrücklichste Aussage kam von einer Teilnehmerin, die uns daran erinnerte: „Die wahren Leuchttürme sind nicht die Kirchen, sondern die Menschen, die in ihren Nachbarschaften etwas bewegen.“

Wir möchten allen, die in den vergangenen Monaten an den Bürger*innenbeteiligungen teilgenommen haben, herzlich danken. Ihre wertvollen Beiträge bilden die Grundlage für das Programm der Manifesta 16 Ruhr, das im Sommer 2026 zu erleben sein wird. Wenn Sie Interesse haben, an den kommenden Bürgerinnengesprächen im Sommer teilzunehmen, halten Sie unsere Social-Media-Kanäle und unseren Newsletter im Blick.

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