Das künstlerische Team

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Wir freuen uns, das Künstlerische Team der Manifesta 16 Ruhr vorzustellen. Gemeinsam werden sie Nachkriegskirchen im gesamten Ruhrgebiet zu Orten der Kunst, der Solidarität und neuer Formen kollektiver Imagination transformieren. Für die Manifesta 16 Ruhr haben wir ein generationenübergreifendes und interdisziplinäres Team gewählt.

Das Team besteht außerdem aus einer generationsübergreifenden Gruppe, die in jeweils drei Tandems arbeitet:

Ihr kreatives künstlerisches Engagement mit diesen Kirchen wird sich durch drei konzeptionelle Linse entfalten: Nähe, Transformation und Kuration als eForm geopolitischer Untersuchung. Die Idee von Nähe wird nicht nur räumlich verstanden, sondern auch als politischer und sozialer Zustand – der die Intimität nachbarschaftlicher Beziehungen, die Solidaritäten der Fürsorge und die gemeinsamen Zeitlichkeiten des lokalen Lebens umfasst. Das Projekt versucht, diese Nähen „aufzudecken“, indem es informelle Netzwerke und alltägliche Solidaritäten aktiviert, die trotz urbaner Fragmentierung bestehen. Es geht nicht darum, die Nachbarschaft zu romantisieren, sondern sie als einen gemeinschaftlichen Raum der Handlungsfähigkeit in einem Zeitalter der Entfremdung zurückzugewinnen.

Transformation bezieht sich auf die potenzielle Neudefinition des öffentlichen Raums durch Experimente, die testen, wie diese verlassenen Räume transformiert werden können und wie etwas Bedeutungsvolles und Relevantes geschaffen werden kann. Die Manifesta 16 Ruhr zielt nicht darauf ab, diese ehemaligen Kirchen zu monumentalisieren, oder sie als bloße Kulturerbestätten wiederherzustellen. Stattdessen werden die Creative Mediators untersuchen und hinterfragen, wie diese Strukturen als offene, partizipative Plattformen – als Räume des bürgerschaftlichen Engagements, des interkulturellen Dialogs und des kollektiven Schaffens – neu gedacht werden könnten. Interdisziplinäre künstlerische Praktiken sind in diesem Transformationsprozess entscheidend und werden über einfache Ausstellungsmodelle hinaus operieren. Diese Kirchen sollen als temporäre zivile Ankerpunkte fungieren, die einen neuen Rhythmus des Zusammenlebens bieten können.

Schließlich antwortet die Vorstellung von Kuration als eine Form geopolitischer Untersuchung auf die breitere Geschichte der Biennale selbst: vom Moment des Optimismus im Kalten Krieg und der europäischen Integration bis zur aktuellen Ära der Polykrisen, vom Klimawandel und Desinformation bis zum aufstrebenden Populismus und einer rechtswidrigen Invasion auf dem europäischen Kontinent. Während Europa mit den Brüchen seiner Vergangenheit und den Unsicherheiten seiner Zukunft konfrontiert ist, bietet das Ruhrgebiet – fragmentiert, divers und im Fluss – eine kraftvolle Bühne für kulturelle Experimente.

Die Manifesta 16 Ruhr schlägt keine einheitliche künstlerische These vor, sondern eine Konstellation von Untersuchungen. Sie fragt, wie die räumlichen Hinterlassenschaften des Industrialismus und des institutionellen Rückzugs für neue Formen des kollektiven Lebens neu genutzt werden können. Sie fragt, wie Erinnerung, besonders die in Architektur eingeschriebene, mobilisiert werden kann, nicht um Identität festzuschreiben, sondern um sie zu herauszufordern und zu erweitern. Sie fragt, welche Arten von Institutionen, Ritualen und Solidaritäten in den Ruinen der Moderne noch möglich sind und wie Kultur zur Neuerfindung der Region beitragen könnte.